Die Gebirgsregion um den Wudang Shan war schon von alters her ein Zentrum des Taoismus.
Es gab dort hunderte von taoistischen Klöstern und Einsiedeleien.  Es war dort, wo Zhang San Feng, der Überlieferung nach, das Tai Ji Quan entwickelte.

Das Wudang Gebirge war der Geburtsort der sogenannten inneren Kampfkünste, der inneren Schulen, der Nei Jia.
Auch die, vom Ursprung her, viel älteren Dao Yin-Übungen wurden in den Klöstern praktiziert. Die ersten schriftlichen Nachweise über solche Bewegungsübungen stammten aus dem 5.Jahrh. v.Ch. und wurden im berühmten Mawangdui-Grab gefunden.
(Der Begriff 'Qi Gong' ist erst neueren Datums. Er stammt aus den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts.)

Weder in den Klöstern, noch in den Einsiedeleien, zielte das Erlangen der Meisterschaft in diesen Künsten jedoch darauf ab, spektakuläre Vorführungen zu geben oder Wettbewerbe abzuhalten.  Den Mönchen und den Adepten ging es einzig um die Selbstkultivierung.

Wenn sich jedoch, durch das jahrelange beharrliche Üben, außergewöhnliche körperliche oder geistige Fähigkeiten zeitigten, so bediente man sich ihrer selbstverständlich, wenn es nötig erschien.
Für die Adepten waren diese Fähigkeiten nichts weiter als ein weiterer Schritt in der Entwicklung der Selbstkultivierung.
Das Erlangen dieser Fähigkeiten war jedoch niemals ein Ziel, das anzustreben war oder der Grund für die Beschäftigung mit diesen Künsten.

Die Klöster waren abgeschlossene Gemeinschaften, die kein Interesse daran hatten, die Dinge mit denen sie sich beschäftigten, an die Öffentlichkeit zu bringen.
Dieses Abgeschlossensein trug jedoch sehr stark dazu bei, daß sich Mythen über geheime Übungen zu bilden begannen. Diese Übungen waren aber keineswegs geheim; -  man hätte nur einem der Klöster beitreten brauchen und schon wäre man unterrichtet worden.

Natürlich hatten die Klöster oder auch die Einsiedler Kontakt mit den in der Gegend lebenden Menschen. Um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen, boten einige Taoisten ihre Dienste als Heiler oder Wahrsager an. Sowohl die Beschäftigung mit der Heilkunst und der Kräuterkunde, als auch die Devination waren in taoistischen Kreisen weit verbreitet.

Durch die Beobachtung der Natur, des Himmels und der Erde, drangen sie immer tiefer in das Wesen der Dinge ein. Sie erkannten die Gesetzmäßigkeiten und wandten diese in der Medizin, in der Kampfkunst und in der Kunst der Voraussage an.
Viele Taoisten sahen es als ihre Pflicht an, den Menschen zu helfen, sofern diese sich helfen lassen
wollten, denn ihrem Verständnis nach mußten diejenigen, die das Wissen um die Dinge erlangt haben, dieses Wissen zum Wohle der Menschen einsetzen.
Sie sahen dieses Wissen nicht als ihr Eigen an, denn es war nichts weiter als das Erkennen des Übergeordneten. - Es war nichts weiter, als das Erkennen der Gesetze der Natur.
Sie sahen sich nur als Mittler. -
So betätigten sie sich als Heiler oder berechneten günstige Zeiten für Hochzeiten oder für den Hausbau oder für Begräbnisse. Dadurch wurden ihre Fähigkeiten immer bekannter, und es begann die Mythenbildung.
Einige dieser Taoisten wurden sogar zum Kaiserhof bestellt, wo sie als Heiler oder Berater fungierten. Andere zogen sich tiefer in die Bergwelt zurück, sobald sie erfuhren, daß der Kaiser nach ihnen schickte. Sie wollten mit der 'Welt des Staubes' nichts zu tun haben.

So, wie das Shaolin Kloster mehr und mehr auf die Kampfkunst und auf die außergewöhnlichen Fähigkeiten seiner Mönche reduziert wurde, und das eigentliche Anliegen des Klosters, nämlich das Praktizieren des Buddhismus in den Hintergrund trat, so geschah (und geschieht) dies in gewissem Maße auch mit den Taoisten in den Wudang Bergen. (Man betrachte heutzutage nur die kommerzielle Vermarktung des Qi Gong, des Tai Ji Chuan und anderer Kampfkünste)
Aber schon damals bildeten sich die unterschiedlichsten Schulen und Denkrichtungen heraus, und es wurden, neugierig geworden durch die entstandenen Geschichten und Legenden, immer mehr interessierte Menschen angezogen. Mit der Zeit jedoch richtete sich das Haupt-Augenmerk der Interessenten nur noch darauf, wie man die Fähigkeiten der Mönche auf möglichst schnelle Art und Weise erlernen konnte.

                               - Kaum einer sprach mehr von der Kultivierung des Tao. -

Die Qi Gong-Übungen, aber auch die anderen Künste, wurden von den verschiedenen Denk-Richtungen vereinnahmt. So entstand das Taoistische Qi Gong, das Konfuzianische Qi Gong, das Buddhistische Qi Gong, das Kampfkunst Qi Gong, das Medizinische Qi Gong.
- Kaum jemand sprach mehr davon, daß die Übungen, egal welcher Richtung, alle einer Quelle entspringen, und sie nur ein Hilfsmittel unter vielen sind, die dazu dienen, den Geist zu vervollkommnen und das Tao zu kultivieren. -

Die Unterteilung der Übungen in die einzelnen Denk-Richtungen stellte im Grunde kein Hindernis dar,
wäre da nicht die menschliche Tendenz sich abzugrenzen.
Die verschiedenen Schulen und Stile sahen jeweils nur das eigene Übungssystem als das wahre an.
Das Ergebnis war, daß die Qi Gong-Übungen stilspezifisch vermittelt wurden, und besonders heute vermittelt werden, ohne die Ideen der anderen Denkrichtungen mit zu lehren oder wenigstens mit zu berücksichtigen.
Die alten Meister hatten noch ein tieferes Verständnis dieser Künste. Sie grenzten sich nicht von einander ab. Sie standen miteinander in Kontakt, sie tauschten sich aus und übten miteinander. Sie schöpften noch aus der selben Quelle und waren bewandert in der Weisheit des Yi Ging.

Dort steht im Hexagramm 58 'Die Freude':

                                           Dui -- Die Freude
     Die Verbindung von Innerem und Äußerem; sich erfreuen am
                                       Praktizieren des Tao.

"Die Weisen sahen, daß das Tao der Natur und des Lebens äußerst  tiefgründig ist,
und daß das kleinste Versehen einen großen Verlust nach sich ziehen kann.
Darum trafen sie sich mit ihren Gefährten und erörterten und praktizierten.
Sie tauschten Erfahrungen aus, und sie praktizierten was von den anderen erklärt wurde.
Sie diskutierten hin und her, verfolgten die Erkenntnisse bis in die Wechselbeziehungen mit dem Tao, drangen tief in das Tao ein und folgten ihm soweit, bis sie schließlich die Vollendung erlangten."

Es waren die nachfolgenden Generationen, die, bis heute, sowohl im Tai Ji Quan, als auch im Qi Gong,
die Grenzen zwischen den Stilen zogen und noch immer ziehen.
Aber alles entstammt einer Quelle:

Diese Quelle ist das Wu Ji, woraus Yin und Yang, und in Folge auch unsere Welt der Erscheinungen hervorgehen. Das Tao zu verwirklichen bedeutet dorthin zurückzukehren.

In der chinesische Kosmologie heißt es:

    - Yang -, das Leichte und Klare stieg nach oben und bildete die Essenz des Himmels. -
    - Yin -,   das Schwere und Trübe sank herab und bildete die Essenz der Erde. -

Diese natürliche Unterteilung, in sich gegenseitig beeinflussende und ergänzende Gegensätze, bildete auch die Grundlage für die Entwicklung von  Qi Gong-Übungen.
Zwei dieser ursprünglichen Qi Gong Formen werden in unseren Seminaren unterrichtet:

Es ist erstens die Übungsfolge, die dem Gesetz der Erde nachfolgt:

das - Liu He Gong. (auch als 5 Elemente-Qi Gong bekannt)

Diese Übungen sind dem Yi Jin Gong zuzuordnen und basieren auf den Prinzipien des Yi Jin Ching, der klassischen Schrift von der Transformation der Muskeln und Sehnen.
Sie wurden von General Cheng Shi-Jun entwickelt, der sich am Ende der Ming-Dynastie als Eremit in die Wudang Berge zurückgezogen hat. Sie wurden über viele Generationen hinweg nur den Adepten seiner Einsiedelei weitergegeben. Erst nach der Zerstörung der Einsiedelei während der Kulturrevolution, wurden sie durch den 34.Nachfolger, Meister Cheng Ding-Yuan, auch Außenstehenden vermittelt.

Die zweite Übungsfolge folgt dem Gesetz des Himmels:

es ist das - Nei Jia Ba Gua Xing Qi Fa.

Diese Übungen sind dem Xi Sui Gong zuzuordnen. Sie wurden nur mündlich weitergegeben und sind auch bekannt unter den Bezeichnung Lohan Gong und >Übungen zum Waschen des Marks<.
Diese Übungsfolge ist noch älter als das Liu He Gong und stammt ebenfalls aus einem taoistischen Kloster in den Wudang Bergen. Sie wurden bis vor wenigen Jahren durch Meister Ma Yueh-Liang nur innerhalb seiner Familie weitergegeben.

Diese beiden sogenannten Tempelstile, die in unserem Unterricht vermittelt werden, stehen in der Tradition der Taoisten des Wudang Gebirges.(siehe Kursinhalte - Kursangebote)
Sie sind ursprünglich, direkt und frei von Interpretationen.
Sie dienen sowohl der körperlichen und geistigen Gesunderhaltung, als auch der Selbstkultivierung inmitten der Welt.

Sie können als Tore dienen -,
als direkter Zugang zum Verständnis der Gesetze des Himmels und der Erde.

Die Grenzen der Übungen liegen dort, wo man seine eigene Entwicklung aufgrund von Konditionierungen, konzeptionellem Denken, Wünschen und Erwartungen etc. selbst begrenzt.


Möchtest Du
Qi Gong losgelöst, von sowohl esoterischen und folkloristischen Tendenzen, als auch von
"Stil-Einengungen" erlernen,
oder möchtest Du
Qi Gong aus gesundheitlichen Gründen erlernen, sei es zur Vorbeugung oder als Unterstützung einer Therapie;
oder möchtest Du
Dein Qi-Potential kennenlernen, aufbauen und befestigen;
oder hast Du
über die rein körperliche Betätigung hinaus, Interesse an der den Übungen zugrundeliegenden Gedankenwelt;
oder
interessiert Dich das Tao Te King und das I Ging und darüber hinaus die 'Vier-Säulen-Astrologie',
das Feng Shui und die Altchinesische Ernährungslehre,
dann kannst Du Dich unter Kursangebote über Seminartermine informieren.
 

...Und solltest Du an all dem kein Interesse haben,
   nachfolgend ein kleiner Gedanke für Dich mit auf den Weg...

     'Die Lehre vom Tao kennt keine Doktrin.
     Jeder, der dieser Lehre folgt, ist nur seiner individuellen Natur
     und Wahrnehmung verpflichtet.
     Er kennt keine begrifflichen oder ideellen Grenzen.
     Derjenige, der dieser Lehre folgt, praktiziert die Selbstkultivierung
     und verwirklicht das Tao.
     Er lebt nicht getrennt von der Welt, denn das Tao ist im Alltag.

Qi Gong & Taoismus

Shui Yun Ju – Lehrkreis für chin.Energielehre
                       Tai Ji Qi Gong & Tai Ji Chuan


Karl-Heinz Fietzek
Tel.:      +49 / (0)2159 / 921-99-88            mobil: 0174 / 31-49-888
E-mail:  charly@wudang-qigong.de
  
(Über 45 Jahre Praxis in fernöstlichen Heil- und Bewegungsübungen, u.a. dem
 Hatha Yoga, dem Fang Song Gong etc.  
 Über 30 Jahre intensives Studium der Theorie und Praxis des
 Liu He Gong, des Nei Jia Ba Gua Xing Qi Fa und des Wu Stil Tai Ji Chuan,
 sowie der chinesischen Energielehre bei Meister Hin Chun Got.
 Über 20 Jahre Studium unterschiedlicher Tui Na Massagetechniken unter Meister Hin Chun Got und Privatschüler von Meisterin Qin Ling, einer Traditionshalterin der taoistischen Drachentorschule, bei der er die Wudang Dao Qi Massage studiert hat.)